Der (virtuelle) Hermannslauf in Spandau

Wir haben wieder einen Beitrag von der lieben Inga für euch. Auch 2021 ist man aufgrund einer globalen Pandemie dazu gezwungen, eigene Projekte zu starten (und diese manchmal Last Minute komplett umzuplanen). Von solch einem Projekt berichtet euch Inga heute.

Es gibt einen Lauf, den jede/r ostwestfälische Läufer/in einmal laufen möchte oder muss: den Hermannslauf. Er führt vom Hermannsdenkmal in Detmold 31,1 km durch den Teutoburger Wald zur Sparrenburg in Bielefeld. Dabei sind einige Höhenmeter, sowie die Lämershagener Treppen zu bewältigen. Nicht umsonst rühmt sich der Lauf damit, ein gefühlter Marathon zu sein.

Für 2020 hatte ich einen der heißbegehrten Startplätze ergattert – dann kam Covid. Dieses Jahr (2021) war lange nicht klar, ob und wann gestartet wird. Da man für diesen Lauf aber trainieren muss, war ich schon lange im Training, als es hieß: von Ende April auf Oktober verschoben. Egal – dann wollte ich eben gemeinsam mit Lorena und Angie am ursprünglichen Termin auf der Originalstrecken laufen. Kurz vorher machte uns Covid wieder einen Strich durch die Rechnung: die Inzidenz in Detmold war einfach zu hoch – eine Anreise also nicht möglich.

Ich bin ehrlich: ich war mütend! Aber so richtig! Bin ich ja eh kein Fan von virtuellen Läufen, da sollte es doch zumindest die Originalstrecke sein…. Einmal wollte ich so richtig unvernünftig sein… Ok, ich bin fast immer (ein bisschen) unvernünftig, aber dieses Mal war ich es nicht, d. h. wir sind nicht gefahren. Aber wenigstens die 31,1 km laufen, damit das Training nicht vollkommen für die Katz war, das wollte ich nach etwas Bedenkzeit dann doch! Und zum Glück waren Lorena und Angie auch bei diesem Plan dabei. Angie bot sich an, die Strecke zu planen und bekam von mir noch die unglaublich hilfreiche Anweisung: „Die Strecke muss es jetzt richtig rausreißen!“. (Ja, Druck machen kann ich).

Im Nachhinein kann ich sagen: ich hatte keinen Grund mütend zu sein! Angie HAT es rausgerissen und der virtuelle Hermannslauf in Spandau wird immer einen besonderen Platz in meinem Läuferherz haben.

Wir sind am Sonntag, den 25. April – unserem Raceday – in der schönen Spandauer Altstadt an einem Denkmal gestartet. Zwar nicht der prügelnde Feldherr Arminius (aka Hermann der Teutone) sonder Kurfürst Joachim II., der wohl zu Lebzeiten eher durch hohe Schulden und Frauengeschichten auffiel, aber: Denkmal ist Denkmal!

In der Hinsicht ist Spandau wie Berlin, überall Baustelle.

Die Laufstrecke selbst führte zunächst an zwei Buddybären (danke Angie :-)) und dann am Wasser lang in Richtung Gatow. Ich war total begeistert von der wunderschönen Landschaft, bis Angie in einem Birkenwäldchen eröffnete: „Jetzt kann ich’s dir ja sagen – wir laufen jetzt gleich einen Berg hoch“. (Ich dachte bis dahin, dass wir auf die Höhenmeter des Hermannslaufes verzichten). Also etwas knurrig hinter Angie her – ein bisschen Drama muss ja schließlich dabei sein. Oben auf den Hahneberg dann die nächste Überraschung: unsere persönliche Cheering Crew Tieni und Tobi mit Konfetti, Poster und Verpflegung. (Anmerkung der Streckenplanerin: aus diesem Grund mussten wir unbedingt auf den Berg, obwohl wir uns natürlich genau dort das einzige Mal auf der Strecke „etwas verlaufen“ haben und deswegen eine klitzekleine extra Schleife drehen mussten… Uppsi…)

Von da ging es dann in einem großen Bogen über den Berliner Mauerweg durch den Spandauer Forst Richtung Ziel. Es lief super für mich, und wir waren für meine Verhältnisse auch recht zügig unterwegs. Ich konnte die schöne Strecke genießen und durch Angie und Lorena habe ich die ganzen km gar nicht wirklich gemerkt. Angie wäre nicht Angie wenn sie nicht auch das Ziel perfekt geplant hätte: statt der Sparrenburg (oft belagert aber nie eingenommen) war es die Zitadelle Spandau (öfter mal eingenommen, dafür aber sehr hübsch). Die letzten 2km kam dann noch Flo auf dem Fahrrad dazu – und so wurde es zum perfekten Zieleinlauf.

Ach ja: die Zielverpflegung war dann übrigens Spaghettieis!!! Einfach perfekt! Warum macht das eigentlich nicht jede Laufveranstaltung?

Rückblickend kann ich sagen: ja, wir sind immer noch in einer Pandemie und damit in einer Ausnahmesituation und jede/r von uns hat alles Recht der Welt wütend, müde, enttäuscht oder genervt zu sein. Aber der virtuelle Hermannslauf hat mir wieder mal gezeigt, dass jede Situation auch sehr schön sein kann – es liegt ein Stück weit auch an uns. Ich hatte sehr liebe Freunde um mich rum, die diesen Tag für mich perfekt gemacht haben. Sobald es wieder erlaubt ist, werde ich euch alle dafür umarmen.

Folgendes wird gerne über die Ostwestfalen gesagt:

Aber sein Herz zu erobern, seine Freundschaft zu gewinnen – das ist ein hartes Stück Arbeit. Manche sagen, man müsse mit einem Westfalen erst gemeinsam einen Sack Salz gegessen haben, bevor man als Zugezogener irgendwie dann doch dazugehöre. Aber eine so gewonnene Freundschaft hält dann vermutlich ein Leben lang.

Westfälisches Sprichwort

Wenn man es so sieht, dann sind wir wohl nicht nur 31,1 km gelaufen, sondern haben auch einen Sack Salz gegessen 🙂 (Anmerkung der Zielverpflegungsplanerin: Gut zu wissen, dann werde ich für den Gegenbesuch in deiner ostwestfälischen Heimat vorsichtshalber ein paar Säcke Salz einpacken. Oder geht auch Spaghettieis?)

Kurze Ergänzung: alle hier genannten Personen waren zum Zeitpunkt des Laufes frisch auf das Corona-Virus getestet und negativ. Wir haben uns ausschließlich draußen aufgehalten, niemanden umarmt und Abstand zueinander gehalten. Passt auf euch und eure Mitmenschen auf.

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