Berlin Marathon 2018

2018 Berlin Marathon Gruppenbild
Gruppenbild. Alle gut gelaunt vorm Start.

„Einmal einen Marathon laufen“

Dieses Ziel steht auf vielen Wunschlisten von LäuferInnen. Der Berlin Marathon ist ein beliebtes Ziel für die Umsetzung dieses Wunsches. Ich hatte tatsächlich nie vor, einen Marathon zu laufen. Als Berliner Urpflanze, deren Wohnung direkt an der Strecke liegt, wurde ich jedes Jahr aufs neue wortwörtlich von dieser Horde völlig verrückter Durchgeknallter überrannt. Selbst als ich nicht mehr leugnen konnte, aus Versehen selbst von einer unsportlichen Nicht-Läuferin zu einer unsportlichen Läuferin mutiert zu sein, konnte ich mir nicht vorstellen, einen Marathon zu laufen.

Beim Berlin Marathon 2017 stand ich dann das erste Mal an der Strecke und war nicht genervt von den Einschränkungen und nötigen Umwegen, sondern begeistert dabei FreundInnen und KollegInnen anzufeuern (zumindest die, die ich in der unfassbaren Menge bunter Laufshirts ausmachen konnte). Und da hat es mich irgendwie gepackt. Die Vorfreude der LäuferInnen „meiner“ Crew (damals noch als Runnerspoint Run Club unterwegs) und der Stolz nach dem Rennen war irgendwie ansteckend. Kaum öffnete die Anmeldung für 2018, habe ich mich mit in den Lostopf geworfen.

Bis die Antwort-Mail kam, wusste ich selbst nicht genau, ob ich auf eine Zu- oder Absage hoffte. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht zu großen Emotionen neige. Meine Zusage wurde daher auch eher mit einem „okay, dann läufst du das Ding also“ quittiert. Ansonsten änderte sich im Winter erst einmal nichts. Ich lief wie gewohnt und startete im Frühjahr mit dem S25 und meinem ersten 25km-Lauf in das Longrun- bzw. Marathontraining. Für meine Verhältnisse lief es gut, wenn auch nicht gerade ideal. Ich hätte definitv mehr lange Läufe machen können und vor allem wenigstens einen davon noch deutlich länger. (Meine längste Distanz in der Vorbereitung waren wohl nur 30km.)

Trotzdem fühlte ich mich am Start gut. Eine gewisse Aufregung war definitiv im Gepäck. Wir haben uns schon frühzeitig auf den Reichstagswiesen getroffen, damit genug Zeit für Gruppenfotos, Gepäck abgeben, Dixieschlangen etc. bleibt. Allerdings hatten ja über 30.000 Menschen den selben Plan und so verlor ich Basti schon im Gewusel auf dem Weg in den Startblock aus den Augen, obwohl wir hatten zusammen starten wollen.

Spoiler: Obwohl er scheinbar knapp 20min nach mir auf die Strecke gegangen ist, kamen wir zeitgleich bei der Medaillenvergabe an und konnten uns so direkt im Anschluss über den Lauf austauschen und gemeinsam auf die anderen warten.

Aber zurück zum eigentlichen Lauf. (Sorry, kurzfassen war noch nie meine Stärke…) Der Start verlief also erstaunlich zügig und ich war früher auf der Strecke als gedacht.

Startklar. Ready For Take-Off.

Zum ersten Mal trug ich eine Cappie beim Laufen, da ich dachte, es sei schlau, das Gesicht etwas vor der Sonne zu schützen. Leider habe ich das vorher nicht getestet und so passte sie nicht richtig und ich habe das Teil genervt Tieni und Tobi in die Hand gedrückt, die bei km 12 Streckenposten waren. Neben den beiden standen noch viele weitere Wechselzonies als Streckenposten oder mobile Cheering Points entlang der Strecke, aber mit meinem legendär schlechten Orientierungssinn habe ich die meisten leider verpasst.

Außerdem war ich nicht nur früher als angekündigt los sondern die erste Hälfte auch noch viel zu schnell gelaufen. Ich wusste jedoch, dass es mir nichts bringt, mich bewusst zu bremsen, weil ich nach hinten raus so oder so einbrechen würde und deswegen auch die gute Zeit und die gute Laune mitnehmen konnte, so lange sie anhielt. Nur leider habe ich damit auch meine Eltern verpasst, die mir bei km 23 einen Smoothie an die Strecke bringen wollten/sollten. Natürlich weiß ich nicht, ob der verpasste Smoothie (mit Salz!) noch irgendwas gerettet hätte. Ehrlicherweise überraschte es mich nämlich nicht, dass ich ab km 30 häufiger Gehpausen einlegen musste. Bei km 37 hatte ich mich gedanklich auf jeden Fall schon von einer Sub4-Zeit verabschiedet. Mir tat irgendwie alles weh. Irgendwo zwischen km 39-40 bin ich noch an Inga vorbei spaziert, die mir von der anderen Straßenseite zujubelte und ich bestimmt 100m brauchte, um zu verstehen, warum diese Frau meinen Namen kennt und woher ich sie kenne. Wirklich fit war ich demnach nicht mehr. (Zu meiner Verteidigung trug Inga keinen Zopf und kein Haarband und ich kannte sie bis dahin nur mit Zopf und Haarband!) So bei km 41 kam die Kraft aber zurück und ich konnte das „letzte Stück“ wieder durchlaufen, mich am Brandenburger Tor noch ein bisschen für und über die Fotografen freuen und kam dann nach 03:48:24 glücklich im Ziel an. Tränen hatte ich zwar nicht in den Augen, aber durchaus ein bisschen Gänsehaut und vor allem zu keinem Moment den Gedanken „nie wieder“! Dass dann auch noch direkt vor mir ein rotes Laufgruppen-T-Shirt alias Basti auftauchte, der mich also irgendwo auf den letzten Metern der Strecke überholt haben musste, war wirklich ein witziger Zufall. So konnten wir uns gemeinsam durch den Zielbereich wuseln und erschöpft und mit mehreren Getränken ausgestattet auf einer Decke vorm Reichstag in mitten all des Trubels auf die anderen LäuferInnen unserer Crew warten.

Geschafft. Basti und ich im Ziel.
Geschafft. Basti und ich im Ziel.

Fazit: Mein erster Marathon war anstrengend, schmerzhaft und nicht wirklich lustig, aber ich habe es geschafft (und wenn ich das kann, dann könnt ihr das auch) und ich werde es wieder tun (vielleicht)! Und auch, wenn ich kein großer Freund von Menschenmassen bin und der nächste Marathon gern eine Nummer kleiner sein darf, war es auf jeden Fall etwas ganz besonderes bei diesem Event in meiner Heimatstadt dabei gewesen zu sein.

Geschafft. Frank hat uns schon mal gefunden. Fehlen nur noch die anderen LäuferInnen.

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