Bernsteinsee-Triathlon aka #coronaman2020

2020 das sollte mein Triathlon-Debüt-Jahr werden. Der Witz ist, auf meiner Bucket List stand „einen Volkstriathlon finishen“ schon lange, sehr lange bevor ich mich selbst Läuferin nannte. Fragt mich nicht, was mich damals geritten hat: ich kann nicht kraulen, ich hasse Radfahren und mit Laufen konnte ich (damals) auch (noch) nichts anfangen. Doch nun stand es nunmal auf der Liste und so wollte ich das Vorhaben endlich angehen. Gemeinsam mit Inga war ich für den Hamburg Triathlon im Juli für die olympische Distanz angemeldet. Ich hatte dafür extra ein Rennrad angeschafft, mir den Rollentrainer eines Arbeitskollegen geliehen und mich wöchentlich einmal ins Schwimmbad geschleppt.

Doch wie jeder weiß, hatte 2020 ganz eigene Pläne mit unseren Plänen. Aufgrund einer neuartigen Viruskrankheit wurde das gesellschaftliche Leben, wie wir es kannten, gehörig auf den Kopf gestellt. Wochenlang ging quasi nichts. Großveranstaltungen wurden erst verschoben und dann völlig aus dem Kalender gestrichen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich vielleicht nicht grenzenlos optimistisch, aber definitiv pragmatisch bin. Wozu traurig sein, dass man das Rad und sonstiges Equipment nicht nach Hamburg schleppen darf, um in der dreckigen Alster zu planschen, wenn es in Berlin doch genug Badeseen gibt. Die Idee für den #coronaman war geboren. Und in Inga und Flo schnell begeisterte MitstreiterInnen gefunden. Flo übernahm die Ausschreibung und fand im und am Bernsteinsee eine tolle Location für unser eigenes, kleines Event. Endlich war der Name der Laufgruppe mal Programm.

Am Sonntag, den 02.08. bauten wir also unsere Wechselzone auf dem Parkplatz am Strandbad Ruhlsdorf auf. Insgesamt gab es 10 TeilnehmerInnen von denen 3 die Sprint- und 7 die Olympische Distanz absolvieren wollten. Dazu ein kleines, aber feines HelferInnen-Team, die sich um die drei F’s (Frisuren, Fotos und das Finisher-Buffett) kümmerten. Das Wetter war eigentlich ideal. Mild, aber nicht zu warm. Grau bedeckt und leichter Niesel angekündigt, wodurch kaum Ausflugsgäste am See und auf den Rad- und Laufstrecken unterwegs waren.

Nach einer kurzen Einführung von Flo, den letzten Ausstattungstests und dem obligatorischen Foto der „Startaufstellung“ ging es auch schon ins Wasser.

Startaufstellung mit originalen Startnummern.

Das Feld zog sich im See ziemlich schnell auseinander. Jeder hatte genügend Platz und dennoch immer einen MitschwimmerIn im Blick. Die erste Runde konnte ich noch mit Inga und Torsten quatschen, auf der zweiten war ich dann allein und stieg eine gute Minute nach Michael aus dem Wasser. Meine Uhr kommt mit dem GPS beim Brustschwimmen nicht so wirklich klar, weswegen ich die Distanz ignorieren konnte, aber die Zeit sagte, dass ich ganz gut unterwegs gewesen war. Mein Plan war ohne Neo zu schwimmen, um Zeit bei den Wechseln zu sparen. Einen Triathlon-Anzug sowie Fahrradschuh wollte ich auch nicht extra kaufen, sodass ich mit Minimal-Ausstattung ins Rennen ging. Über den nassen Bikini wurden einfach Fahrradhose und T-Shirt gezogen, rein in die Laufschuhe und mit Helm ab aufs Rad. Beim zweiten Wechsel musste ich also nur das Rad abstellen, den Helm wegschmeißen und wieder loslaufen (okay, was trinken durfte auch noch sein).

Beim Radfahren wurde es dann vielleicht etwas einsam. Ich habe versucht auszurechnen, ob mich die führenden Jungs auf der zweiten (und letzten) Runde überrunden könnten. Mein Gehirn kam zu keinem eindeutigen Ergebnis, aber überrundet wurde ich nicht. Auf einem Abschnitt war es ziemlich windig und zwischendurch fing es hier und da ganz leicht zu nieseln an, aber nichts, was mir ernsthaft Sorgen bereitete. Am Ende stand für die 40km eine neue, für mich absolut grandiose Bestzeit für die 40km auf der Uhr.

Lächelnd auf dem Rad – eine absolute Seltenheit.

Mein einziges Ziel war, vom Rad zu steigen, bevor der erste ins Ziel läuft. Ich hatte den Helm gerade in der Hand, als Marc als erster angerannt kam. Zielerfüllung on point. Wir konnten uns also abklatschen und ich rief nur noch „Wenn ich in einer Stunde nicht wieder da bin, habe ich mich verlaufen“. Bevor ich wortwörtlich losgeflitzt bin. (Der erste Kilometer war nämlich ordentlich flott.)

Beim Laufen zeigte sich dann, dass es sinnvoll ist die Ausschreibung richtig zu lesen. Mir war als würden wir auch hier zwei Runden laufen (die Sprint-DistanzlerInnen entsprechend eine). Nach einer Runde hatte ich 3,7km auf der Uhr. Viel zu wenig, um mit zwei Runden auf 10km zu kommen, aber zu viel für drei Runden. (Was allerdings richtig gewesen wäre, wenn man die richtige Runde gelaufen wäre.) Also bin ich auf der zweiten Runde nicht nach links abgebogen, sondern erst einmal ein ganzes Pendel-Stück geradeaus und zurück gelaufen. Am Ende fehlten mir kurz vor dem Parkplatz aber immernoch einige Meter, sodass ich auch hier nochmal ein Stück zurück und wieder hin gelaufen bin. Torsten, der zum Gucken an die Straße kam, staunte nicht schlecht, als ich wenige Meter vor ihm nochmal abdrehte. Am Ende konnte ich die Uhr schon an der Parkplatzeinfahrt stoppen, bin für das Foto und das Feeling aber brav noch über den ganzen Parkplatz ins Ziel gerannt. (Nach 50min, ich hatte also noch reichlich Zeit bis der Suchtrupp losgeschickt worden wäre.) Laufen ist und bleibt einfach meine Lieblingsdisziplin.

Im Anschluss tauschten wir uns alle bei Kuchen, Salzstangen, Cola und Co. über unsere Erlebnisse aus. Dank Inga gab es für jeden eine Medaille (mit Gold UND Glitzer!!!) und Lorena hatte in der Zwischenzeit unsere Zeiten in die extra vorbereiteten Urkunden eingetragen. Damit stand einer offiziellen Siegerehrung mit ganz vielen glücklichen TriathletInnen nichts mehr im Wege.

Ich hätte mir kein schöneres Triathlon-Debüt vorstellen können. So viele liebe Freunde hätte ich in Hamburg nie vor Ort gehabt. Das Wasser war super klar, kein Gedränge, kein Getrete und ich wurde natürlich von niemandem über den Haufen gekrault. Ich kannte die Radstrecke schon und es war wirklich absolut kein Sonntagsausflugsverkehr, sodass ich keine Angst vor Fahrradunfällen haben musste. Die Vorstellung, irgendwann mal mit dem Rennrad in einem riesigen Pulk von RadlerInnen zu stecken, verursacht doch noch leichte Panik bei mir. (Vor allem aber kein Publikum, das sehen kann, wie unsicher ich auf dem Rad bin.) Und zu guter Letzt gab’s einen grandios angefeuerten Zieleinlauf. Das heimliche Highlight war dann aber vielleicht doch der Kuchen auf dem Finisher-Buffett und natürlich die Medaillen mit Gold und Glitzer.

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