Berlin Marathon 2020 – Corona Edition

Heute lassen wir Torsten zu Wort kommen. Er berichtet von seinem ersten Marathon in Berlin 2020. In dem Jahr, in dem vieles so anders lief als gedacht und trotzdem so einiges möglich war…

„Don’t stop when you’re tired, stop when you’re done!“

Ich weiß nicht wie oft ich mir diesen Satz 2020 ins Hirn gemartert habe…? Er sollte zum festen Bestandteil meines ersten Marathons werden.

Alles begann im September 2019 mit der Frage von Viola, ob wir gemeinsam auf dem Berlin Marathon 2020 unseren ERSTEN laufen wollen? Ein Tag nachdem sich vierzigtausend Läufer durch das Herz Berlins gekämpft hatten und diese ganz besondere Stimmung über der Hauptstadt lag – Stolz. Egal wo man hin sah, der Marathon war überall und Social Media platzte vor stolzen Marathonis. Die Frage kam zur richtigen Zeit! Ich war euphorisiert.

Was konnte ich schon verlieren? Ich bewarb mich um einen Startplatz! Ich hatte eh nicht geglaubt, dass ich einen Platz gewinnen würde. Immerhin bewerben sich jedes Jahr 3x mehr Läufer als es Startplätze gibt.

Am 27.November 2019 sollte sich mein Leben mit nur einer einzigen E-Mail ändern. „Lieber Torsten, oft beginnen solche Emails mit dem Satz: Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass… Dieses Schreiben nicht, denn Sie sind dabei und werden Teil des 47. BMW Berlin Marathons 2020 sein.“ Zwischen Freude und Tränen hin und hergerissen, musste ich erstmal laufen gehen…

Wenige Tage später traf sich die Laufgruppe Wechselzone zum regelmäßigen Afterworkrun und ich bat den Coach Michael um Hilfe beim Training. Es begann eine intensive und die zu weilen härteste Zeit meines Lebens, in der ich durch Michael gefordert, geformt und geschliffen wurde. Er hat mich über meine Grenzen gehen lassen und sich viel, sehr viel Geheule von mir anhören müssen.

„Don’t stop when you’re tired, stop when you’re done!“ – wurde zum Ohrwurm. Ich habe es immer und immer wieder gesagt und gedacht. Nie zuvor bin ich so viel gelaufen, Rad gefahren, geschwommen, habe mich gedehnt, Body Workout gemacht oder gar Yoga. Alles war neu und anstrengend!

Mitten im Training schlug dann Corona auch in Europa zu und es folgten die ersten Absagen von Laufveranstaltungen! Das erste große Zwischenziel: der Berliner Halbmarathon wurde abgesagt. Schnell war klar – das sollte leider erst der bittere Anfang sein. Die Hoffnung auf meinen ersten Marathon schwand! Sollte das ganze Training völlig umsonst gewesen sein? Was wenn Corona weiter wütet und der 47. BMW Berlin Marathon auch abgesagt werden würde? Ich fühlte mich fitter als je zuvor in meinem Leben. Ich war schneller geworden und fällte einen Entschluss: Dann muss ich das Ding alleine rocken!

„Don’t stop when you’re tired, stop when you’re done!“

Von nun an lag mein Fokus zu 100% auf dem 27. September 2020. Komme was wolle, ich werde an diesem Tag meinen ersten Marathon laufen!

Im Sommer fand sich dann eine kleine Gruppe entschlossener Wechselzonies die das gleiche Ziel verfolgten. Allen voran Svenja, die ebenfalls ihren ersten Marathon laufen wollte und mittlerweile ein großes Supporterteam um sich geschart hatte. So starteten am Sonntagmorgen des 27.September 2020 insgesamt 6 Läufer und unzählige Begleiter auf Fahrrädern um die 42,195 km zu bezwingen.

Ein besonderer Dank gilt Marcus, der eine Strecke quer durch die Stadt und fast ohne Ampeln geplant hatte! Von Spandau ging es entlang des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal in Richtung Zentrum. Die ersten 20 Kilometer verflogen förmlich. Nach 10 Kilometern gab es die erste Konfettidusche, bei KM 13 tauchten auf einmal Angie und Inga auf und begleiteten mich ein Stück. Kurze Zeit später kam Yvonne auf dem Fahrrad dazu – mein persönliches Supportbike. Von nun haben wir das Tempo etwas angezogen. Franzi, die sich erst abends zuvor entschied mich zu begleiten und ebenfalls das erste Mal Marathon lief, Yvonne die sich unentwegt um uns gekümmert und uns motiviert hat und ich. Vorbei an der East Side Gallery ging es nach Friedrichshain-Kreuzberg und von dort aufs Tempelhofer Feld.

Bei Kilometer 30 standen Alex und Inga mit ihrem Verpflegungspunkt und machten so viel Jubel, dass auch der letzte Berliner merkte, hier geschieht etwas Besonderes. Jetzt begann der Abschnitt vor dem ich am meisten Respekt hatte. Sollte der Mann mit dem Hammer auf mich warten? Hat das Training der letzten Monate ausgereicht und reicht die Kraft? Mein Kopf machte sich das erste Mal bemerkbar: Was tust du hier eigentlich? Ich spulte mein Mantra immer und immer wieder ab: „Don’t stop when you’re tired, stop when you’re done!“

Im Gleisdreieck hatten sich Freunde von mir postiert und schrien mich an: „Du packst das!“ und „Super Torsten!“. Wer schon einmal Marathon gelaufen ist, weiß wie wichtig dieser Moment ist und wie sehr das pusht! Jetzt nur noch um den Tiergarten! Vorbei am Schloss Bellevue, sah ich das erste Mal die Gold Else und wusste das wird was! Und wenn ich die letzten Meter kriechen würde, am Brandenburger Tor ist das Ziel! Hier warten deine Familie und Freunde. Nur noch ein paar Kilometer! Das Brennen in den Waden und den Oberschenkeln wurde stärker als ich am Bundeskanzleramt und dem Reichstag vorbeilief. Nur noch 500m! Das Brandenburger Tor kam in Sicht und ich sah meine Familie und Freunde. Ich hörte meine Tochter schreien: „Los Papa! Super!“ In diesem Moment schossen mir die Tränen in die Augen und ich begann zu zittern. Ich lief zu Ihnen und ging zu Boden. Ich habe es tatsächlich geschafft! Trotz aller Schwierigkeiten, den Herausforderungen durch Corona und den abgesagten Laufveranstaltungen habe ich mein Ziel erreicht: Ich bin Marathoni – I’m done!

„Don’t stop when you’re tired, stop when you’re done!“

You may also like...