HeatBerlin24 – 2019

Heute berichtet Nasti uns von dem allerersten HeatBerlin24 2019 und wie sie diesen erlebt hat. Vielen lieben Dank dafür. 🙂

ES GIBT NICHTS GUTES,

AUSSER MAN TUT ES

Es kam eine unfassbare Summe von 15.000 Euro und eine riesen Menge an Sachspenden zusammen.

IDEEN BRAUCHEN IDEEN

Immer wenn ich eine Idee habe, habe ich diese vielen anderen Ideen vieler anderer cleverer Menschen zu verdanken. Keine*r kann mir erzählen, dass er oder sie nicht durch irgendeinen tollen Menschen, ein Problem oder von der Not inspiriert wurde. In diesem Fall spielten sowohl tolle Menschen also auch die Not eine entscheidende Rolle. 

Aber worum geht es eigentlich? Es geht darum, dass Machen wie Wollen ist – nur viel krasser! Es geht um den ersten HeatBerlin24 – ein Lauf, dessen Erfolg viele Mütter und Väter hat. 

So, da stand ich nun nach irgendeinem großartigen Wettkampf mit Svenja an meinem neuen Wagen in meinen Marken-Laufklamotten, um in mein gemütliches Zuhause zu fahren. Zwei gut bezahlte weiße CIS Frauen, die sich täglich nur mit Luxusproblemen herumschlagen… Aber diese weißen Frauen sind gar nicht so weiß wie man denkt – eine von den Beiden hat ganz schön dunkle Flecken auf ihrer Weste. Bis zu dem gemütlichen Heim und dem Wagen und den ganzen Luxusproblemen war es ein weiter Weg. Ein Weg durch Ausgrenzung, Depression, Alkoholismus und Einsamkeit… Hallo, ich bin Nasti und ich bin trockene Alkoholikerin. Und der einzige Grund, warum ich es bis hier hin geschafft habe, sind Menschen, die mir zur richtigen Zeit die Hand gereicht haben. 2019 an diesem Wagen war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich zurückgeben wollte. An dem ich nicht nur einen Euro in einen Hut eines Obdachlosen schmeißen wollte. 

An diesem Tag an dem Auto haben wir uns gefragt, wie wir als Läufer*innen den Berliner Obdachlosen, an denen wir auf unserem Weg vorbeigelaufen sind, helfen können, den nächsten Winter besser zu überstehen. Da ist uns der 48 h-Lauf von MileHigh Berlin in den Sinn gekommen und die Idee, diesen mit einem guten  Zweck zu kombinieren. 

Einige Wochen später…

Der Plan steht! Es wird ein 24-Stunden-Spendenstaffellauf. 24 Stunden, 24 Runden – von 12:00 Uhr am 07.12. bis 12:00 Uhr am 08.12. auf dem Wittenbergplatz mit Zieleinlauf bei der Stadtmission – 4 verschiedene Routen, 4 verschiedene Farben – kein Wettkampf, jeder kann die 6 km schaffen – jeder kann spenden, was er oder sie will: Klamotten, Geld oder einfach nur Liebe! 

Die Kältehilfe der BerlinerStadtmission wurde als Empfängerin der Spenden ins Boot geholt, KVL Cares war als Sponsor und Spender an Bord, MileHigh Berlin & die Laufgruppe Wechselzone als OrgaTeam und Pacer am Ruder! Wir wollten, dass jeder gespendete Euro zu 100 % den Obdachlosen zu Gute kommt. 

Innerhalb von kürzester Zeit haben wir ein Komitee gebildet, dass unbedingt wollte, dass diese Idee Wahrheit wird.

Es gab einige Hürden zu nehmen: Genehmigungsprozesse, Stromanschlüsse, Wegeführung, Flyer, Werbetrommel… Wahnsinn, was es alles so zu tun gab. Der Antrag bei den Behörden umfasste mit Anlagen ca. 50 Seiten.

Bis um 04:00 Uhr morgens vor dem Lauf wurden die Routen ausgeschildert, Dinge organisiert, Stromanschlüsse gelegt. Und dann war es so weit! Um 11:00 Uhr stand alles bereit – die Anmeldeformulare, Datenschutzhinweise, selbstgenähte kleine Geschenke, Kaffee, Tee und wir!

Ich war so unfassbar aufgeregt! Kommt überhaupt jemand? Sammeln wir ein paar Spenden? Schaffen wir es, dass die ganzen 24 Stunden Läufer*innen auf der Strecke sind? Und andererseits war ich so gerührt und ergriffen von all der Liebe und Zeit, die von so vielen Menschen in das Projekt gesteckt wurde. Wie sie alle auf ihren Posten standen und auf ihren Einsatz gewartet haben.

Dann kamen die Läufer*innen – von allen Seiten! Mit Beuteln voller Sachen zum Spenden, mit Freude in den Gesichtern und mit jeder Menge Kohle! Sie kamen aus Gransee, aus Zehdenick, aus Stralsund, aus Marzahn, aus Potsdam – sie kamen, um mit uns für die Kältehilfe zu laufen. Sie hatten einfach nur Spaß und Freude am Helfen und Laufen. Die jüngste Teilnehmerin war 9 Jahre alt und schaffte eine ganze Runde! Sie hatte sich Sponsoren organisiert, die für sie gespendet haben. Sie war so unfassbar stolz , es geschafft zu haben. Mehrere Läufer*innen haben saubere Ultra-Distanzen absolviert. Ein Pacer war 24 h da und ist mehr als 60 km gelaufen. Nachts war sogar ein Rollifahrer mit von der Partie, der 4 Runden mit seiner laufenden Freundin gelaufen ist.

Kurzum – so viele Emotionen, Menschen, Geschichten! Wir waren so unfassbar erschöpft und müde – aber nach müde kommt dumm und wir haben uns mit hysterischem Lachen wach gehalten… Wir waren ein Team – eine Gemeinschaft, die genau wusste, dass es verrückt aber so wichtig ist, was sie tut. Wir waren so dankbar und begeistert! 

08.12. 12:00 Uhr – Es geht los – die letzte Runde zur Stadtmission. Wir laufen gemeinsam zur PastaParty, die dort für uns ausgerichtet wurde. Die letzten Meter sind wir nur noch auf Adrenalin gelaufen, denn Kraft hatten wir keine mehr. Wie müssen sich Menschen fühlen, die permanent die ganze Nacht auf der Straße verbringen? Dann waren wir da – die Stadtmission hat einen wunderbaren Zieleinlauf für uns aufgebaut und uns erwarteten jede Menge Freunde und ein großer Pappcheck… Nachdem wir alle ausführlich geheult haben, widmeten wir uns dem Check, denn es war noch keine Summe eingetragen – ich hatte die Summe im Kopf und wusste, dass Jungs und Mädels von der Stadtmission aus den Latschen kippen würden.

16.000 Euro hat uns diese Schnapsidee eingebracht! Durch Großspenden aber vor allem durch die Spenden engagierter Läufer*innen, denen ihre Stadt und Leben der Menschen ohne Heim nicht scheißegal ist! Die Spendendosen klimperten nicht – sie raschelnden! Ich war so unfassbar stolz auf alle und unendlich dankbar!

Am Ende lagen wir uns alle in den Armen und wussten, dass wir etwas großartiges auf die Beine gestellt haben und waren uns sicher, dass es nicht das letzt Mal gewesen sein wird. 

Aber ein Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Ein Läufer kam in Ballonseide mit Volleyballschuhen – einen Hackenporsche im Schlepptau. Guido Maria Wagner – Guido hat unseren Aushang im Park am Gleisdreieck gesehen und wollte helfen. Er hat mir gesagt, dass er jeden Tag trainiert hat, um mitzulaufen. Guido hat uns 24 h begleitet. Wir haben während der 24 h erfahren, dass er es nicht leicht hat im Leben – er lebt in einer Einrichtung, seine Mutter hat getrunken, während sie mit ihm schwanger war – er war vielleicht nicht klug, aber er weiß was Liebe ist, er zog immer wieder los, um Flaschen zu sammeln, diese abzugeben und das Geld in die Spendendosen zu werfen. Ich war gerührt und auch peinlich berührt von mir selbst – von meinem Überfluss und von meinen Luxusproblemen. Aber man kann nur aus der Fülle geben – lasst uns unsere Fülle teilen. 

Uns geht es gut, das teilen wir!

You may also like...